Fauteuil grand comfort, grosses Modell.
Höhe 63 cm, Breite 99,5 cm, Tiefe 68 cm. Stahlrohrgestell vernickelt, verchromt oder schwarz. Bespannung mit Spiralfedernetz. Lose Polster in Haar auf Form fassoniert, mit Daunenauf-lagen. Bezug in Leder oder Stoff.

 

Fauteuil grand confort”, kleines Modell.
Höhe 68 cm, Breite 76 cm, Tiefe 70 cm  Stahlrohrgestell vernickelt, verchromt oder schwarz. Bespannung mit Spiralfedernetz. Lose Polster in Haar auf Form fassoniert, mit Daunenauflagen. Bezug in Leder oder Stoff.

 

Fauteuil mit beweglicher Rücklehne.
Höhe 65 cm, Breite 60 cm, Tiefe 65 cm. Stahlrohrgestell vernickelt oder verchromt. Bespannung mit Fohlenfell oder Tuch. Armlehnen aus Ledergurten. Hier vereinfachte Heidi Weber die Armlehne durch Verjüngung der Riemen.

 

Chaise-longue.
Breite 56,5 cm, Länge 161 cm stufenlos verstellbar. Untergestell in Eisen, schwarz oder schwarz-weiss. Obergestell in Stahlrohr, vernickelt o. verchromt. Fohlenfell, Tuch, Nackenrolle. Aerodynamische Rohre, aus den Flugzeugwerken Altenrhein.

 

Le Corbusier Sitzmöbel Produktion von Heidi Weber

Kurz nach ihrem erstem Treffen mit Le Corbusier im August 1958 in Cap Martin, traf sich Heidi Weber am 2. September wieder mit ihm in Paris. Sie beschlossen, dass sie die Produktion seiner vier Sitzmöbel und den Verkauf seiner Kunstwerke übernimmt.

Sofort nach ihrer Rückkehr nach Zürich begann Heidi Weber eine kleine Produktionsstätte einzurichten um am 1. Oktober mit der Herstellung der vier Sitzmöbel zu beginnen. Da ihr keine Originalmodelle zur Verfügung standen, war sie gezwungen, sich auf eine Reihe von Zeichnungen zu stützen, welche ihr Corbusier zukommen liess.

Bei der Realisierung dieser Möbel konnte Heidi Weber auf ihre beachtliche Erfahrung als Innenarchitektin zurückgreifen. Die zwei Modelle „Chaise-Longue LC 104 und „Dos basculant“ LC 103 wurden 1929 von der Firma Thonet, eine bekannte kommerzielle Möbelfirma, vorübergehend in Produktion genommen. Zu dieser Zeit war den zwei Modellen kein Erfolg beschieden, nur eine kleine Anzahl wurden verkauft. Das Unternehmen sah sich schliesslich gezwungen die Produktion wieder einzustellen.

Von den zwei Modellen „Grand Confort“ LC 101 und LC 102 hatte Thonet nur ein paar Prototypen hergestellt. Diese wurden jedoch nie in die Produktion aufgenommen. Ohne die zwei Polstersessel war aber die Kollektion unvollständig oder um es genauer zu sagen, es gab gar keine komplette Kollektion nur losgelöste Einzelstücke, und das Sitzmöbelprojekt von Le Corbusier war buchstäblich in seine Bestandteile aufgelöst.

Mit der zusätzlichen Produktion der beiden „Grand Confort“ von Heidi Weber waren seine Sitzmöbel nun eine Kollektion die verwendet werden konnte, um Wohnräume zu gestalten, so wie es sich Le Corbusier ursprünglich vorgestellt hatte.

Heidi Webers Begeisterung für seine Möbel und ihre persönliche Dynamik beeindruckten und gefielen Le Corbusier sehr. Innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der Entwürfe konnte sie ihn bereits einladen, sich die erste fertige Serien Modelle seiner Möbel anzusehen. Was sie ihm vorstellte waren keine groben Prototypen, sondern ein erster Produktionslauf von 25 Stück von jedem der vier Modelle aus ihrem nur in drei Monaten aufgebauten kleinen Workshop. Le Corbusiers Reaktion war eine Mischung von Überraschung und Begeisterung.

Den ersten Vertrag mit Heidi Weber für die Produktionsrechte unterschrieb Le Corbusier am 1. Dezember 1959.
Dieser Vertrag schloss den Raum Europa und USA für die Dauer von drei Jahren ein. Am 1. Januar 1963 wurde derselbe Vertrag über den Zeitraum von fünfzehn Jahren und den zusätzlicher Einbezug von Süd-Amerika bis 1978 erweitert.
 
Während der ersten Jahre ihrer Herstellung lief der Verkauf der vier Sitzmöbel sehr erfolgreich - Heidi Weber erhielt Bestellungen aus New York, Hong Kong, und allen Ecken der Welt - so dass sie gezwungen war, eine wichtige Entscheidung zu treffen. Ihr kleines Produktionsatelier war voll ausgelastet und sie war kaum noch in der Lage, mit der steigenden Zahl der Bestellungen Schritt zu halten. An dieser Stelle musste sie wählen, ob sie sich als Produzentin und Unternehmerin in der Möbelbranche etablieren wollte oder ob sie es vorziehen würde einen grösseren, bereits etablierten Hersteller zu finden, dem sie die Unterlizenz erteilen könnte. Cassina S.p.A. ein Familienbetrieb in Meda nahe Mailand, war einer der vielen Bewerber für den Lizenzvertrag.
Nach vielen Verhandlungen unterschrieb Heidi Weber mit der Firma Cassina am 23. Oktober 1964 den ersten Unterlizenz-Vertrag für Italien; diese Unterlizenz wurde im Juli 1965 auf Europa ausgedehnt, und zwölf Monate später wurde der Vertrag nochmals von Heidi Weber erweitert und umfasste jetzt auch die Vereinigten Staaten.

Le Corbusier, der nicht erwartet hatte über solche Dinge konsultiert zu werden und offensichtlich nicht daran interessiert war Vertreter des neuen Lizenzunternehmens kennen zu lernen, hatte die Auswahl des Unterlizenznehmers komplett Heidi Weber überlassen. Was ihn betraf, arbeitete das Unternehmen für Heidi Weber. Mit ihrer typischen Gewissenhaftigkeit machte sie es zu ihrer Aufgabe, strenge Qualitätskontrollen durchzuführen, und sie bot gleichzeitig Cassina kontinuierlich ihre Erfahrungen und Unterstützung an. Es ist zu bedauern, dass Heidi Weber nach dem ihr ursprünglicher Vertrag mit Le Corbusier 1978 abgelaufen war, keinen Einfluss mehr auf die Produktion haben konnte. Leider wurde der grosse Beitrag von Heidi Weber, von Le Corbusiers Nachlassverwaltung, der Fondation Le Corbusier in Paris nicht gebührend geschätzt und in der Folge mit ihr die originalen Lizenzverträge mit Le Corbusier nicht verlängert. Die Fondation Le Corbusier wandelte 1978 die Unterlizenzverträge von Heidi Weber mit Cassina S.p.A. in direkte Lizenzverträge ab. Ein wichtiger Hinweis ist, dass Heidi Weber sich immer an die von Le Corbusier im Vertrag festgehaltenen Bedingungen, ausschliesslich nur die 4 Modelle zu produzieren, strickt gehalten hatte. Während ihrer 15-jährigen Vertragsdauer hätte sie nie andere Modelle hergestellt, schon gar nicht von Skizzen welche angeblich nach seinem Tod von der Fondation Le Corbusier in Paris gefunden wurden.
Heidi Webers Errungenschaften sind vielfältig. Ein wichtiger Schritt war Le Corbusier davon zu überzeugen, dass seine Möbel nicht altmodisch waren sondern zu den modernsten des 20sten-Jahrhunderts gehörten.
Ihre wichtigsten Beiträge zu seinen Möbelmodellen waren jedoch die Qualitätsproduktion und die Ergänzungen zur Serien-produktionsreife. Dies trug entscheidend zum allgemeinen Erscheinungsbild, der Vervollständigung und Präsentation dieser Modellreihe und damit einer kompletten Kollektion bei. Dies waren die Hauptgründe dafür, dass die vier ursprünglich in 1929 von Le Corbusier konzipierten Möbel zu dem grossen, weltweiten Geschäftserfolg bis in die heutige Zeit wurden.