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Zürcher Centre Le Corbusier darf Internet-Domain behalten

Entscheid der Internet-Schiedsstelle

 

 

David gegen Goliath: Die Pariser Le Corbusier Stiftung hat das Zürcher Centre Le Corbusier zu Unrecht des «Domaingrabbings» beschuldigt. So urteilte ein neues internationales Schiedsgericht.

(sda) Die grosse Pariser Stiftung hat sich gegenüber dem kleinen Zürcher Zentrum des «Reverse Domain Hijacking» schuldig gemacht. Der Begriff bezeichnet den Versuch, sich einen bestehenden Internetauftritt eines anderen dadurch einzuverleiben, dass man ihn des «Domaingrabbings» beschuldigt.

Die französische Stiftung warf dem Zürcher Museum vor, es bediene sich in der Internetadresse «www.centre-lecorbusier.com» zu Unrecht eines eingetragenen Markennamens. Der Domain-Name stünde rechtmässig ihr, der Pariser Stiftung, zu.

Eine von der World Intellectual Property Organisation WIPO (Genf) und der Internet Corporation for Assignment of Names and Numbers (ICANN) eingerichtete Schiedsstelle entschied nun Anfang Juli, dass das von Heidi Weber gegründet und betriebene Zürcher Zentrum 24 von 32 Internetdomänen - Varianten von http://www.centre/- lecorbusier.com - behalten darf.

Grundsatzurteil

Der Schiedsspruch ist deshalb von entscheidender Bedeutung, da die Gerichte bisher in dieser Frage in der Regel zu Gunsten des «stärkeren» Kontrahenten urteilten. So beanspruchte etwa der Westdeutsche Rundfunk in einem Rechtsstreit gegen den Bankenkonzern Warburg Dillon Read erfolgreich die Adresse http://www.wdr.com/ und gegen den Privatmann Wolf Dieter Roth die Domäne http://www.wdr.org/.

Für Heidi Weber, Gründerin und Betreiberin des Zürcher Centre Le Corbusier, ist der Internet-Schiedsspruch «der erste Hoffnungsschimmer» in einer über 30 Jahre dauernden Reihe von Rechtsstreiten gegen die Pariser Stiftung. Denn er bestätigt implizit, dass Heidi Weber auch einen Anspruch auf den Markennamen hat.

Langjähriger Rechtsstreit

Heidi Weber erhielt 1962 vom Architekten Charles Eduard Jeanneret alias Le Corbusier für 30 Jahre das alleinige Recht am Verkauf seines bildnerischen Werks. Dies war der Dank für die siebenjährige Zusammenarbeit. Weber baute an der Zürcher Höschgasse am See ein Museum nach dem letzten Entwurf des 1965 verstorbenen Architekten.

Die Pariser Le Corbusier Stiftung als Erbin des Nachlasses musste den Exklusivvertrag mit Heidi Weber übernehmen. Die Stiftung ist verpflichtet, Le Corbusiers Werk zu pflegen und zu erhalten und seine Ideen zu verbreiten. 1998 wurde ein 10 Jahre dauernder Streit um Schadenersatz und Rechte mit einem Vergleich beigelegt.

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